Heute schon «gedappelt»?

Heute schon «gedappelt»?

Heute schon «gedappelt»?

Heute schon «gedappelt»?

Nicht jede Aktivität muss zur Routine werden, um das Wohlbefinden zu fördern. Gelegentliches Ausprobieren kann neue Freude, soziale Kontakte und mentale Stärke schenken. Wer sich erlaubt zu „dabbeln“ (engl. Für «sich in etwas versuchen», «in etwas hineischnuppern»), findet oft genau dann Kraftquellen, wenn sie am meisten gebraucht werden.

Stellen Sie sich Folgendes vor: Olivia packt ihre Wohnung, um in eine neue Stadt zu ziehen. Aus dem Schrank holt sie ihre verstaubte Yogamatte und überlegt kurz, sie zurückzulassen. Sie fühlt sich schlecht, weil sie sie im letzten Jahr kaum genutzt hat. Doch sie will ihren Idealismus nicht aufgeben und nimmt die Matte mit.

Einige Wochen später hat sie sich in ihrer neuen Stadt eingelebt, aber sie fühlt sich einsam und überfordert. Zufällig entdeckt sie ein Yogastudio und beschliesst, eine 30-Tage-Karte zu kaufen, um ihre Ängste zu lindern. Nach einigen Stunden trifft sie dort eine Kollegin aus der Arbeit, die sie zu einem monatlichen Outdoor-Yoga-Event einlädt – Olivias erste neue Freundin.

Warum gelegentliche Aktivitäten wertvoll sind

Viele Ratgeber betonen die Bedeutung fester Gewohnheiten. Doch Olivias Geschichte zeigt: Auch unregelmässige Aktivitäten haben grossen Wert für psychische Gesundheit und Resilienz. Es ist gut für die Seele, gelegentlich etwas zu tun – ohne Erwartung an Perfektion oder Regelmässigkeit.

Denn niemand kann unendlich viele Gewohnheiten pflegen. Das sogenannte „Dabbling“ – also das sporadische Ausprobieren von Tätigkeiten – hat viele Vorteile:

  • Es bereichert die Quellen positiver Emotionen.
  • Es hält die eigene Identität flexibel.
  • Es fördert soziale Kontakte
  • Es erweitert die Vielfalt an Herausforderungen.

Yoga schenkte Olivia Entspannung und Freundschaft. Doch darüber hinaus erinnert „Dabbling“ an verborgene Facetten der eigenen Persönlichkeit: Karaoke ruft Verspieltheit wach, Stricken Kreativität, Theaterkultur feine Sensibilität, Freiwilligenarbeit Grosszügigkeit und Quizabende Wettbewerbsgeist. Besonders in Übergangszeiten, Wartephasen oder energiearmen Wintermonaten werden diese positiven Emotionen zu wichtigen Ressourcen.

Wie Gelegenheitsaktivitäten Beziehungen und Fähigkeiten stärken

Gelegentliches Tun kann nicht nur neue Freundschaften entstehen lassen, sondern auch alte beleben. Zudem fordert es geistige Beweglichkeit: Anpassungsfähigkeit, Improvisation, Organisation, Prioritätensetzung und Voraussicht. Unterschiedliche Tätigkeiten bringen verschiedene Probleme mit sich – und fördern damit vielfältige Lösungsstrategien.

Was das „Dabbling“ erschwert, ist oft das Vergessen der eigenen Vorlieben. Wenn Aktivitäten ungewohnt werden, fühlen sie sich anfangs unangenehm an – doch das vergeht schnell, wenn man sie wieder aufgreift.

So bleibt das „Dabbling“ lebendig

Es ist völlig in Ordnung, eine Aktivität nur einmal auszuprobieren. Doch wer sie gelegentlich wiederholt, profitiert langfristig. Eine Faustregel: einmal jährlich reicht meist, um Vertrautheit zu bewahren.

Hilfreich ist es, Aktivitäten zu verknüpfen mit:
  • Jahresereignissen: etwa einem Benefizlauf im September.
  • Jahreszeiten: Marmelade kochen im Sommer, Suppe im ersten Kälteeinbruch.
  • Freundschaften: Eine Person für Karaoke, eine andere für Flohmärkte.
  • Reisen: Schwimmen im Hotelpool, Lesen am Flughafen oder Museumsbesuche in fremden Städten.
  • Backup-Plänen: Stricken, wenn das Internet ausfällt.
  • Familienmomenten: Schlittschuhlaufen oder Zelten mit der Nichte.
Ebenso wichtig ist es, Hürden zu beseitigen:
  • Suchen Sie spontane, unverbindliche Angebote statt langfristiger Mitgliedschaften.
  • Führen Sie eine Liste namens „Aktivitäten, die ich mag und vergesse“.
  • Halten Sie Basisressourcen bereit – Wolle, Bücher, Yogavideos.
Warum Unbeständigkeit psychisch stabil macht

Psychisches Wohlbefinden entsteht nicht nur durch konsequente Routinen. Gewohnheiten sind wertvoll, aber sie engen auch ein. „Dabbling“ hingegen öffnet den Blick für Vielfalt – und schenkt neue Energie.
Selbst wenn bestimmte Tätigkeiten nur selten ausgeübt werden, können sie in entscheidenden Momenten helfen: um Freude zu wecken, Einsamkeit zu lindern, an vergessene Seiten des Selbst zu erinnern oder das Denken zu beleben. Unbeständigkeit kann also genau das sein, was Stabilität schafft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.