Konsens finden statt «nur» Kompromisse einzugehen

Konsens finden statt «nur» Kompromisse einzugehen

Konsens finden statt «nur» Kompromisse einzugehen

Konsens finden statt «nur» Kompromisse einzugehen

Immer wieder heisst es, man soll Kompromisse eingehen, um Probleme zu überwinden. Das ist in Ordnung, allerdings beinhalten Kompromisse auch Opfer. Geht jemand zu viele Kompromisse ein, kann diese übermässige Anpassung zu Angst und Depression führen. Statt eines Kompromisses kann es hilfreich sein, gemeinsam einen Konsens zu finden.

Insbesondere in Partnerschaften hören wir oft den Ratschlag, Kompromisse einzugehen. Der Spruch „Zu einer Beziehung gehören Kompromisse“ ist weit verbreitet und hat durchaus seine Berechtigung. Dennoch darf man nicht übersehen, dass Kompromisse im Gegensatz zu Konsens Zugeständnisse erfordern – zumindest von einem, oft jedoch von beiden Partnern. Dadurch können Situationen entstehen, in denen jemand das Gefühl hat, etwas von Bedeutung geopfert zu haben. Dies kann mit der Zeit zu Groll führen.

Betrachten wir ein hypothetisches Paar, Julia und Bernhard, die sich entscheiden wollen, wie sie ihren Abend zu zweit verbringen wollen, während ihre Kinder bei den Grosseltern sind. Julia möchte in die Stadt gehen, um sich mit Freunden zu treffen, die einen Geburtstag feiern. Sie liebt das Nachtleben und empfindet es als die beste Art, einen kinderfreien Abend zu geniessen. Bernhard hingegen bevorzugt einen ruhigen Abend zu Hause. Er schlägt vor, eine Flasche Wein zu öffnen, einen Film anzusehen und gemeinsam zu kochen. Er hat keine Lust, in die Stadt zu fahren oder bis spät in die Nacht unterwegs zu sein.

Was tun?

Man kann sich leicht vorstellen, wie sie hin und her diskutieren. Wie beide versuchen, den anderen zu überzeugen, dass die eigene Idee die bessere ist. Die Diskussion könnte schnell angespannt werden, vielleicht wird sogar laut diskutiert. Nehmen wir an, sie einigen sich auf einen Kompromiss: zunächst wollen sie zu Hause kochen, um dann ihre Freunde auf ein paar Drinks zu treffen. Sie planen nur für ein paar Runden zu bleiben, bevor sie zeitig nach Hause und ins Bett gehen.

Ist damit nun alles gut?

Was ist das Problem bei diesem Szenario? Warum geht der Plan nicht wirklich auf? Julia ist verärgert, weil sie den Grossteil der Party verpassen wird und befürchtet, unhöflich zu wirken, wenn sie und Bernhard sowohl zu spät kommen als auch früher gehen. Bernhard hat das Gefühl, dass sie das Abendessen gehetzt zubereiten und essen werden, nur um so schnell wie möglich in die Stadt zu kommen, wo sie wahrscheinlich länger bleiben als geplant. Beide sind unzufrieden mit den Zugeständnissen, die sie gemacht haben, und können den Abend zu zweit nicht wirklich geniessen.

Studien haben gezeigt, dass diese Art von Kompromissen keine effektive Lösung darstellt. Eine Untersuchung mit Teilnehmern der National Taiwan University ergab sogar, dass Kompromisse, die allzu oft Anpassung und Opfer erfordern, zu Angst und Depression führen können (Lin et al., 2016).

Konsens statt Kompromisse

Meinungsverschiedenheiten und Konflikte sind ein natürlicher Bestandteil jeder Partnerschaft. Wenn ein Konflikt geklärt und neue Aspekte ausgehandelt werden, kann ein Streit die Verbindung stärken und die Liebe vertiefen. In einer Partnerschaft ist daher Konsens wichtiger als Kompromisse.

Kompromisse können mit Verlust und Frustration einhergehen, da entschieden wird, was weggelassen werden soll. Konsens hingegen ist eine gemeinsame Übereinkunft, die die Bedürfnisse aller Beteiligten umfassender berücksichtigt. Ein Konsens löst Widersprüche auf, auch verdeckte, oder benennt die noch offenen und ungelösten Punkte für alle Beteiligten und Betroffenen.

Diskutieren statt debattieren

Anstatt zu versuchen, den Partner von den eigenen Plänen und Vorstellungen zu überzeugen, ist es hilfreicher, Neugier zu zeigen: Warum möchtest du das? Indem man sich gegenseitig Fragen stellt und den Antworten des anderen wirklich zuhört, kann man leichter einen Konsens finden, da man nun über mehr Informationen und Verständnis verfügt. Oder anders gesprochen: je mehr wir miteinander sprechen, desto mehr Verständnis und Mitgefühl können wir füreinander haben. Mit Neugierde zu verstehen, warum der andere etwas möchte, ermöglicht eine sanftere und freundlichere Kommunikation und man lernt sein Gegenüber besser kennen – auch in langjährigen Partnerschaften, denn wir verändern uns ständig. Ich bin heute nicht mehr dieselbe wie vor fünf Jahren.

Schaffen statt nachgeben

Anstatt dass jeder nachgibt und sich dann über einen faulen Kompromiss ärgert, ist es besser, die Bedürfnisse hinter den Vorstellungen und Wünschen zu benennen, um so zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Julia und Bernhard könnten sich entscheiden, den Abend in der Stadt mit ihren Freunden zu verbringen, da es eine besondere Geburtstagsfeier ist. Julia könnte, in dem Wissen, dass Bernhard nicht gerne lange unterwegs ist, für den nächsten Morgen ein besonderes Frühstück planen, nachdem sie ausgeschlafen haben. Sie könnten auch einen weiteren besonderen Abend einplanen, an dem sie unter der Woche ein besonderes Abendessen zubereiten, vielleicht auch als Familie. Sobald die Kinder schlafen, können sie eine Flasche Wein öffnen und einen Film geniessen. In diesem Szenario gehen Julia und Bernhard auf die Bedürfnisse des anderen ein und profitieren sogar davon, mehr gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen.

Communication ist the key

Kommunikation ist grundsätzlich ein wichtiger Schlüssel in Partnerschaften – bei unterschiedlichen Interessen und Meinungen erst recht. Wenn Sie Lösungen schaffen, ist es am besten, wenn Sie die Entscheidung aus einer Position der liebevollen Güte treffen. Indem Sie dies tun, arbeiten Sie und Ihr Partner zusammen statt gegeneinander.

Referenzen

Lin, W. F., Lin, Y. C., Huang, C. L., & Chen, L. H. (2016). We can make it better: “We” moderates the relationship between a compromising style in interpersonal conflict and well-being. Journal of Happiness Studies, 17(1), 41-57.

Vielleicht interessieren Sie auch folgende Texte:

Was tun gegen langweilige Routine?: Indem wir Gewohntes ungewöhnlich tun, können wir den Genuss ähnlich empfinden wie beim ersten Mal.

Warum ist Ehrlichkeit in einer Beziehung so wichtig?: Viele verstehen unter Ehrlichkeit nur die Abwesenheit von Lügen. Ehrlichkeit beinhaltet aber weit mehr.

Selbstfürsorge und die Fürsorge für andere: Es ist gut, fürsorglich und aufmerksam gegenüber anderen zu sein, aber man sollte sich dabei nicht selbst vernachlässigen. Eine gute Selbstfürsorge hat nichts mit Narzissmus oder Egoismus zu tun, sondern zeugt von einer gesunden inneren Balance.

KENNEN SIE JEMANDEN, FÜR DEN DIESER BEITRAG INTERESSANT SEIN KÖNNTE? DANN TEILEN SIE IHN DOCH:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.