Gebraucht oder geliebt werden – was ist der Unterschied?

Gebraucht oder geliebt werden – was ist der Unterschied?

Gebraucht oder geliebt werden – was ist der Unterschied?

Gebraucht oder geliebt werden – was ist der Unterschied?

In der Beziehungsforschung zeigt sich, dass Partnerschaften oft eher durch Bedürftigkeit als durch Liebe geprägt sind. Die Ergebnisse einer Langzeitstudie mit über 100 Paaren verdeutlichen, dass gegenseitige Unterstützung in Beziehungen mehr Intimität und Erfüllung schafft. Paare, die sich stärken, entwickeln tiefere Bindungen und erleben mehr Zufriedenheit.

Die Beziehungsforschung weiss um viele Liebesbeziehungen, in denen beide oder einer der Partner sich damit begnügt, gebraucht zu werden. Nicht selten wird der legitime Anspruch nach Geliebtwerden durch Gebrauchtwerden ersetzt. Dies kann bewusst, wie auch unbewusst geschehen. Die Gründe für dieses Verhalten sind mannigfaltig, wie mangelnde Liebe in der Kindheit oder das Erleben eines Elternteils, das einem genau dieses Verhalten vorlebte. Aber, was auch immer einen dazu geführt hat: es lohnt sich darüber zu reflektieren, was die Unterschiede zwischen gebraucht und geliebt werden sind. Zum einen, weil beides geht: man kann sowohl gebraucht als auch geliebt werden. Zum anderen, da einen das reine Gebrauchtwerden daran hindert in der Liebe und als Mensch zu wachsen.

Dies sind die sieben wesentlichen Unterschiede, ob man eher darauf fokussiert geliebt und gebraucht zu werden:

1. Sich beweisen müssen 

Gebraucht werden: Wenn wir gebraucht werden, fühlen wir uns verpflichtet, unseren Wert ständig zu beweisen. Dies kann mit Angst verbunden sein, da wir uns Sorgen machen, ob wir genug bieten können, und das kann uns sehr erschöpfen.

Geliebt werden: Wenn wir wirklich geliebt werden, müssen wir nichts beweisen. Stattdessen sollte ein Gefühl der Akzeptanz und warmherziger Zuneigung ohne etwas zu beweisen vorhanden sein.

2. Abhängigkeit

Gebraucht werden: Wir können leicht dazu neige, die Abhängigkeit unseres Partners zu fördern, anstatt seine Unabhängigkeit und innere Stärke zu unterstützen.

Geliebt werden: Wir «investieren» weniger in die Entmachtung der Person, die uns liebt. Ihre innere Stärke vertieft ihre Liebe zu uns und fördert echte emotionale Intimität.

3. Den anderen retten

Gebraucht werden: Wenn Gebrauchtwerden das dominierende Muster in der Beziehung ist, verfallen wir leicht in die Illusion, dass wir den anderen retten müssen.

Geliebt werden: Wir sind weniger leicht verführt zu glauben, dass wir andere retten können. Mit emotionaler Intelligenz erkennen wir diese Wahrheit und vermeiden die Illusion, andere retten zu müssen.

4. Ausgewogenheit

Gebraucht werden: Eine solche Beziehung ist weniger ausgewogen. Es herrscht eine Ungleichgewicht an Unterstützung, Mitgefühl, Wärme und Aufmerksamkeit. Dies kann zu Bitterkeit, Erschöpfung und Leere führen.

Geliebt werden: Eine Beziehung ist ausgeglichener, wenn beide PartnerInnen gleichermassen geben und empfangen. Dann wird zum Ort, wo Wachstum und Erneuerung stattfinden und wo man sich wie auch die eigenen Bedürfnisse einbringen darf.

5. Selbstwert

Gebraucht werden: Wir können leicht gegenabhängig werden mit einem erhöhten Bedürfnis, gebraucht zu werden. Dabei verlagern wir unseren Selbstwert auf die Person, die von uns abhängt. Zudem entsteht die Illusion, dass wir durch unsere Leistungen Kontrolle über die Beziehung haben und nicht vergessen werden.

Geliebt werden: Reife Selbstliebe – kein Narzissmus! – bedeutet zu wissen, dass niemand uns so lieben kann wie wir selbst. Wir schätzen die Liebe, die wir erhalten, und akzeptieren mutig, dass Liebe nicht kontrollierbar ist.

6. Identität

Gebraucht werden: Wir reduzieren unsere Identität auf unsere Leistungen und vergessen, wer wir jenseits dieser Leistungen sind. Auch die abhängigen Personen vergessen unsere wahre Identität, was zu einem tiefen Verlust des Erkanntwerdens führt.

Geliebt werden: Unsere Identität spiegelt unsere Sehnsüchte, Lieben, Traurigkeiten, Bedürfnisse und Gaben wider. Es gehört zu unserem Menschsein über die Aufgaben, die wir erfüllen, erkannt zu werden.

7. Bedürfnisse

Gebraucht werden: Es ist allzu leicht, uns selbst als bedürfnislos zu sehen, während wir die Bedürfnisse anderer erfüllen. Dies ist ein Bruch in unserer Menschlichkeit. Indem wir uns vom Kern unserer Menschlichkeit entfernen, geraten wir in Mittelmässigkeit, Leere, Verbitterung und oft Zynismus.

Geliebt werden: Wir erlauben uns, Bedürfnisse zu haben, besonders emotionale. Wir leben in der warmen Umarmung unserer Menschlichkeit, wo wir gesehen, gehört, ermutigt, geliebt, gewählt, erinnert, gehalten und geschätzt werden.

Gegenseitig unterstützende Beziehungen schaffen Intimität und Erfüllung. Die Forschung zeigt, dass die Merkmale einer Beziehung oft eher durch Bedürftigkeit als durch echte Liebe bestimmt werden. Doch Paare, die sich gegenseitig stärken, können wertvolle Ressourcen füreinander sein und tiefere Bindungen entwickeln. Liebe kann Bedürftigkeit als fundamentale Dynamik in einer engagierten Beziehung ersetzen. Dies bedeutet, dass jemand lernen muss, das Gefühl aufzugeben, durch übermässige Abhängigkeit wertgeschätzt zu werden, und stattdessen lernen muss, authentisch geliebt zu werden. Indem wir uns auf gegenseitige Unterstützung und wahre Liebe konzentrieren, können wir erfüllendere und intimere Beziehungen gestalten.

Vielleicht interessieren Sie auch folgende Texte:

Was tun gegen langweilige Routine?: Indem wir Gewohntes ungewöhnlich tun, können wir den Genuss ähnlich empfinden wie beim ersten Mal!

Warum wir uns für gute Gefühle mehr Zeit zum Nachdenken gönnen sollten: Was machst Du in «erzwungenen» Pausen, wenn Du warten musst, zum Beispiel an der Kasse im Supermarkt, im Zug oder im Stau? Nutzt Du diesen Moment zum Innehalten und Reflektieren oder sucht Du Ablenkung von aussen, in dem Du Radio hörst oder online Nachrichten liest?

Selbstfürsorge und die Fürsorge für andere: Es ist gut, fürsorglich und aufmerksam gegenüber anderen zu sein, aber man sollte sich dabei nicht selbst vernachlässigen. Eine gute Selbstfürsorge hat nichts mit Narzissmus oder Egoismus zu tun, sondern zeugt von einer gesunden inneren Balance.

KENNEN SIE JEMANDEN, FÜR DEN DIESER BEITRAG INTERESSANT SEIN KÖNNTE? DANN TEILEN SIE IHN DOCH:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.