Wie man Trauernden zuhört

Wie man Trauernden zuhört

Wie man Trauernden zuhört

Wie man Trauernden zuhört

Es gibt einen Unterschied zwischen Hören und Zuhören. Wir können hören, was jemand sagt, aber wie oft hören wir wirklich zu? Zuhören ist eine Fähigkeit, die sich in allen Bereichen des Lebens positiv auswirkt und die man entwickeln kann.

Es gibt viele Gründe, warum Menschen nicht zuhören. Vielleicht sind wir müde, unkonzentriert, gelangweilt, überfordert – manchmal scheint es, dass immer eine Ablenkung um uns herumwirbelt. Oft hören wir nicht zu, weil wir bereits über eine Antwort nachdenken, während der andere spricht.

Der Tod macht Angst und sprachlos

Wenn jemand den Verlust eines geliebten Menschen betrauert, kann es schwerfallen zuzuhören. Zum einen ist der Tod auch für uns schmerzhaft – ob wir den Verstorbenen (gut) kannten oder nicht. Wir werden mit unserem eigenen Sterben konfrontiert und mit Verlusten, die wir irgendwann erleiden werden. Das kann Angst machen und flößt uns Unbehagen ein.

Zum anderen macht der Tod auch sprachlos. Dabei wollen viele etwas Tröstliches sagen oder glauben, etwas sagen zu müssen. Der Tod kann uns unserer Worte berauben oder uns befürchten lassen, etwas Falsches zu sagen. Manche versuchen dann, das Thema zu wechseln oder die Situation so schnell wie möglich zu verlassen. Dabei wünschen sich Hinterbliebene gar keine weisen oder tröstlichen Worte, sondern jemanden, der da ist und einfach zuhört (auch wenn sie zum x-ten Mal das Gleiche erzählen).

Schaffen Sie einen Rahmen

Was wir den Hinterbliebenen sagen, ist zwar wichtig, aber wir können die Situation nicht beheben. Dessen sind sie sich sehr genau bewusst. Was sie brauchen, ist ein offenes Ohr. Es gibt einige grundlegende Dinge, die wir alle tun können, um bessere Zuhörer zu sein – dafür braucht es keine spezielle Ausbildung.

Zunächst ist es wichtig, einen sicheren, bequemen Ort zum Reden zu finden, an dem es möglichst wenig Ablenkungen gibt. Schalten Sie Ihr Handy aus oder stumm, damit Sie beim Hören nicht gestört oder versucht werden, es anzusehen.

Stellen Sie sicher, dass Sie nicht unter Zeitdruck stehen. Nichts ist schlimmer, als sich über einen schmerzlichen Verlust zu öffnen, um dann zu erleben, dass der andere es eilig hat und gehen muss.

Wenn Sie den anderen gut kennen, können Sie beim Zuhören auch seine Hand halten oder ihn/sie leicht am Arm berühren. Fragen Sie vorher, ob es für den anderen in Ordnung ist.

Versuchen Sie, geduldig zuzuhören und Ihre Kommentare auf ein Minimum zu beschränken. Stellen Sie lieber Fragen. Als Hinterbliebene weiss ich, dass man ständig dasselbe erzählt. Das ist sehr heilsam, und Fragen im Trauerprozess sind eine grosse Hilfe. Fürchten Sie sich nicht vor Momenten der Stille. Schweigen mag unangenehm erscheinen, ist aber oft eine gute Möglichkeit, um Gedanken nachzugehen. Das können sehr hilfreiche Momente sein, die in die Ruhe führen.

Imago-Technik

Der US-amerikanische Paartherapeut Harville Hendrix entwickelte Ende der 1980er Jahre die sogenannte „Imago-Technik“, deren Ziel es ist, die Kommunikation zwischen Paaren zu erleichtern und zu verbessern. Es ist eine Spiegeltechnik, durch die man sehr gut lernt, wie man wirklich zuhört. Im Wesentlichen gibt es drei grundlegende Aspekte: Spiegeln, Validieren und Einfühlen.

Spiegeln

Beim Spiegeln wird das, was Sie vom Sprecher gehört haben, auf nicht wertende Weise wiederholt oder reflektiert. Es geht nicht darum zu sagen, was Sie darüber denken oder was Sie gerade fühlen. Das braucht etwas Übung, da wir es oft nicht gewohnt sind, auf diese Weise zu sprechen und zuzuhören.

Validieren

Das Validieren ist der nächste wichtige Teil. Dabei geht es nicht darum, dem anderen zuzustimmen, sondern lediglich dessen Standpunkt zu unterstützen und zu bestätigen. Sätze wie „Das musst du anders sehen“ oder „Du solltest nicht so denken oder fühlen“ sind bei Hinterbliebenen echte Killerphrasen. Man fühlt sich nicht ernst genommen, sondern stattdessen gemassregelt. Paraphrasieren Sie also, was Sie gehört haben, und stellen Sie klar, ob der andere dies tatsächlich gesagt hat. Lassen Sie Ihr Gegenüber spüren, dass Sie zuhören und versuchen, ihn zu verstehen.

Einfühlen

Bei der Empathie geht es darum, wirklich zu verstehen, wie sich der andere fühlt, und das anzuerkennen. Wenn der andere sagt, dass er wütend sei, und Sie vielleicht denken, dass er besser nicht so fühlen sollte, dann behalten Sie das für sich, und bestätigen Sie einfach die Gefühle des Sprechers. Seien Sie vorsichtig bei Aussagen wie „Ich weiss, wie du dich fühlst“, denn Hinterbliebene sind sehr feinfühlig und spüren, ob jemand wirklich mitfühlt und weiss, wie (facettenreich) sich Trauer anfühlt, oder ob das nur eine Phrase ist.

Probieren Sie es aus!

Suchen Sie sich jemanden, mit dem Sie die drei Phasen üben können. Es sollte eine Person sein, mit der Sie sich wohl fühlen. Sie können entweder üben, indem Sie kurze alltägliche Begebenheiten erzählen, oder Sie machen ein Rollenspiel, bei dem einer von Ihnen eine Person spielt, die trauert und über ihren Verlust spricht. Überlegen Sie, was Sie sich in einem solchen traurigen Moment wünschen würden, wie man Ihnen begegnet und zuhört. Wenn man um einen geliebten Menschen trauert, kann das Gefühl, gehört und verstanden zu werden, genau das sein, was man braucht.

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