Wie kommt es zu schwierigem Verhalten?

Wie kommt es zu schwierigem Verhalten?

Wie kommt es zu schwierigem Verhalten?

Wie kommt es zu schwierigem Verhalten?

Es gibt keine einheitliche Erklärung für die Ursachen oder die Entstehung von schwierigem Verhalten. Die Entwicklung unserer Persönlichkeit ist das Ergebnis komplexer Wechselwirkungen aus genetischer Veranlagung, Erziehung und Umwelteinflüssen.

Neben unserem angeborenen Grundmuster werden wir durch Erlebnisse und Erinnerungen geformt, die in unserem bewussten Verstand wie auch in unserem Unbewussten gespeichert werden. Jeder Input, den wir bekommen, hat Auswirkungen auf unser Verhalten.

Genetische Ursachen

Schwieriges Verhalten kann genetische Ursachen haben. Manche Menschen haben eine neuronale Grundausstattung, die sie empfindlicher, ängstlicher oder reizbarer macht als andere. Zudem können Hirnerkrankungen wie Tumore oder Schlaganfälle die Persönlichkeit verändern.

Studien aus der Hirnforschung deuten zudem an, dass ein Grund für psychopathisches Verhalten ein Defekt im paralimbischen System sein könnte. Psychologen um Stefan Röpke von der Charité Berlin untersuchten die Dicke der Grosshirnrinde von 34 Probanden, von denen die Hälfte unter einer diagnostizierten narzisstischen Persönlichkeitsstörung litt. Die Grosshirnrinde ist die äussere Nervenzellschicht des Gehirns, in der die Inselrinde sitzt. In diesem Hirnareal werden verschiedenste Reize verarbeitet, auch Schmerzen. Dieser Bereich ist zudem verantwortlich für Mitgefühl. Mithilfe eines Magnetresonanztomographen (MRT) konnten die Wissenschaftler feststellen, dass bei Narzissten diese Region deutlich dünner ist, was neuronal deren Mangel an Empathie mitbegründet.

Alkohol und Drogen

Der Konsum von Alkohol und Drogen beeinflusst unser Verhalten massgeblich. Zum einen haben wir unter deren Einfluss unsere Impulse weniger bis gar nicht unter Kontrolle. Zum anderen ist Sucht eine der häufigsten Bewältigungsformen von Angst, da sie deren Symptome unterdrückt, ebenso wie Gefühle von innerer Leere. Menschen unter Drogeneinfluss verhalten sich anders – sicherlich nicht immer schlecht oder gefährlich. Jedoch wirken Drogen negativ verstärkend bei Menschen mit einer bereits niedrigen moralischen Identität. Zu schwierigen Verhaltensweisen führen auch das schlechte Gewissen, der zuweilen starke Selbsthass oder das schwer auszuhaltende Leiden beim Entzug.

Prägende Erfahrungen für unseren Autopiloten

Unsere Erfahrungen – vor allem die aus unserer Kindheit und Jugend – prägen unser Gehirn. Durch sie bildet sich ein neuronales Netz mit für uns typischen Automatismen und Routinen aus, die sehr stabil sein können. Man kann sich das vorstellen wie einen Autopiloten, der je nach Anforderung entsprechende Abläufe gespeichert hat. Dabei muss dieser Autopilot noch nicht mal manuell eingeschaltet werden – meistens stossen äussere Einflüsse unsere inneren Prozesse an, die uns oft unbewusst sind.

Da unser Organismus sehr darauf bedacht ist, gut mit seiner Energie hauszuhalten, befinden wir uns im Erwachsenenalter meistens im Autopilot-Modus und nutzen die immer gleichen Flugbahnen – gleichgültig, ob sie gut oder schlecht für uns sind. Das gilt vor allem für kritische Situationen. Nicht jede unsere Entscheidungen oder Reaktionen kann direkt an unser Bewusstsein gekoppelt werden. Dafür reicht der Datenspeicher unseres Gehirns gar nicht aus.

Im Folgenden möchte ich Ihnen typische Prägungen aus der Kindheit und Jugend vorstellen, die uns massgeblich beeinflussen können.

Verlust, frühe Trennungen und Schicksalsschläge

Diese dramatischen Erlebnisse bringen schon uns Erwachsene aus der Bahn. Wie soll es da Kindern gehen, die mitten in ihrer Entwicklung sind und auf einen geringeren Schatz an Erfahrungen zurückgreifen können? Längere Klinikaufenthalte oder die Trennung der Eltern können starke Ängste vor Verlust und Einsamkeit hervorrufen. Krankheiten in der Familie oder Tod können Schuldgefühle wecken und den inneren Zwang entstehen lassen, den Verlust auszugleichen oder wiedergutzumachen.

Vernachlässigung und Ablehnung

Fehlende Zuwendung, gar Ablehnung verunsichert Kinder: warum werde ich nicht geliebt? Wenn Eltern auf die Ängste und Nöte ihrer Kinder nicht reagieren, sie vielleicht noch nicht einmal wahrnehmen, dann erzeugt das im Kind einen erheblichen Stress. Die Schlussfolgerung kann sein, dass man sich von allen im Stich gelassen fühlt und zum Schutz nicht mehr zeigt, was man wirklich fühlt. Vielleicht auch, weil man seinen Gefühlen nicht traut – immerhin hat man keine Resonanz darauf erhalten. Vielleicht sind sie ja falsch? Mit der Zeit kann sich so ein übersensibler Radar für Zurückweisungen oder Kritik entwickeln. Zudem kann die Angst vor Ablehnung und Einsamkeit zu abhängigen Verhaltensweisen führen oder zu einer Gefühlsarmut à la Mr. Spock.

Missbrauch, Prügel und Willkür

Zum Schutz vor Prügel, Willkür oder Missbrauch lernen Kinder früh, geringste Vorzeichen von drohenden Zurückweisungen zu erkennen, und reagieren dann als Erwachsene übersensibel auf Geringschätzung und Kritik. Insbesondere sexueller oder emotionaler Missbrauch sind belastende Erfahrungen von Angst, Demütigung und Schmerzen, die Gehirn und Verhalten prägen. Menschen mit einer paranoiden Persönlichkeitsstörung berichten oft von traumatischen Missbrauchserfahrungen in der Kindheit.

Beschimpfungen und fehlender Respekt

Von Kindern wird ganz automatisch erwartet, dass sie Erwachsenen Respekt zollen. Umgedreht erfahren sie leider nicht immer Respekt von uns, dabei haben sie das gleiche Bedürfnis danach. Nicht selten müssen sie Spott und Herabsetzungen aushalten. Öffentliche Blossstellungen sind immer demütigend, vor allem wenn so gesprochen wird, als wäre man gar nicht anwesend: „Stell dir vor, er macht manchmal immer noch in die Hose.“

Manche als lustig getarnte Frotzelei wie „Hallo, da kommt Germany’s Next Top Moppel!“ sind genauso schmerzlich, wie die Sache beim Namen zu nennen. Ebenso erschüttern Beschimpfungen wie „Du Trampel, du lässt alles fallen!“ oder „Lass bleiben, dafür bist du zu blöd!“ das Selbstwertgefühl. Ein Kind folgert daraus, dass es so nicht richtig ist, wie es ist, und zu nichts taugt. Wer als Kind ständig Hänseleien, insbesondere durch die Eltern, erleiden musste, wird als Erwachsener zu negativen und selbstkritischen Gedanken neigen und ein geringes Selbstwertgefühl haben. Sehr wahrscheinlich wird er sich selbst ständig abwerten.

Überzogene Erwartung, Dauerkritik und fehlendes Zutrauen

Werden von Eltern Erfolge als selbstverständlich angenommen oder erhält das Kind nur bei Fehlern und Misserfolgen Aufmerksamkeit, dann wird es ihm schwerfallen, sich als kompetent und selbstwirksam wahrzunehmen. Statt stolz auf die eigenen Fähigkeiten zu sein, wird es eher ständig an sich zweifeln. Statt neugierig und gelassen die Welt nach dem „Trial and Error“-System zu erforschen, werden Entscheidungen und Aufgaben nur zögerlich oder gar nicht angegangen – zu tief ist die Angst vor Misserfolgen. Fehlendes Zutrauen unterwandert dann auch den Wunsch nach Selbstständigkeit. Man traut sich wenig zu und sucht Zuflucht in abhängigen Beziehungen, in denen andere wieder die Verantwortung übernehmen. Eine Folge kann auch sein, dass man ständig das Gefühl hat, etwas beweisen zu müssen. Das kann zu grossen Erfolgen motivieren, aber auch zu Besserwisserei und Rechthaberei.

Überbehütet

Eine Studie von Jeffrey Baker von der Southeastern Louisiana University in Hammond ergab, dass sowohl ein sehr autoritärer wie auch ein sehr behütender Erziehungsstil dazu beitragen, dass sich Kinder als schwach und wenig kompetent erleben. Überbehütung bedeutet, dass die Bezugsperson wie ein Helikopter ständig über dem Kind kreist und versucht, alles zu kontrollieren. Im Glauben, einzig und am besten zu wissen, was für das Kind gut ist, wird es zudem überschüttet mit Liebe und körperlicher Nähe, ohne dass seine Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt werden. Ähnlich wie bei Kindern, die in ein Abhängigkeitsverhältnis gezwungen werden, haben überbehütete Kinder Schwierigkeiten, ihre Ängste und Bedürfnisse zu zeigen. Wegen der fehlenden Resonanz misstrauen sie anderen Menschen. Gleichzeitig suchen sie nach Anerkennung und Bestätigung. Der Wunsch, mit Aussergewöhnlichem zu überzeugen, kann übergross werden.

Alles wird gelobt

Zu viel und vor allem unberechtigtes Lob kann genauso schädlich sein wie überzogene Kritik. Wird alles immer und überschwänglich gelobt, lernt ein Kind nicht, seine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Paradoxerweise verunsichert zu viel Lob im gleichen Masse wie zu viel Kritik. Zum einen wird man misstrauisch, ob dem Lob zu trauen ist. Zum anderen kann man Kritik und Misserfolge kaum aushalten. Das hat zur Folge, dass das Selbstbewusstsein sinkt und parallel der innere Zwang entsteht, immer erfolgreich zu sein.

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