10 Tipps, um sich in Geduld zu üben

10 Tipps, um sich in Geduld zu üben

10 Tipps, um sich in Geduld zu üben

10 Tipps, um sich in Geduld zu üben

Geduld macht uns zufriedener, meinen Wissenschaftler. Doch kann man sie auch trainieren? Zehn Tipps, wie Sie Ihre Ungeduld in den Griff bekommen.

Es gibt Situationen, die selbst den Geduldigsten unter uns zusetzen. Das bange Warten auf eine Arztdiagnose, der Wutanfall des zweijährigen Sohns mitten im Supermarkt oder die sechzigste Absage auf unsere Bewerbung. Gleichgültig, ob wir auf eine wichtige Zusage warten oder in einer gefühlt endlosen Schlange vor der Supermarktkasse – es hängt von uns ab, wie wir die Situation bewerten und damit auch, wie geduldig wir sie aushalten können. Dass wir sie aushalten können, darin sind sich Experten einig. Auch, dass wir unsere Fähigkeit, uns in Geduld zu üben, verbessern können. Es ist wie beim Sport. Einige Menschen sind von Natur aus sportlich und andere weniger, aber selbst die unsportlichste Person kann trainieren und ihre Fitness verbessern, egal von welchem ​​Grundlevel sie ausgeht.

Geduld hängt von verschiedenen Faktoren ab

Es gibt viele Faktoren, die darüber bestimmen, mit welcher (Un-)Ruhe wir auf Verzögerungen und Rückschläge im Leben reagieren. Eine davon liegt in unserer Persönlichkeit. Untersuchungen zufolge haben Menschen, die offen für neue Erfahrungen sind, tendenziell mehr Geduld als solche, die Routinen bevorzugen. Aber auch Gewohnheiten, die wir entwickeln, um beispielsweise unsere Emotionen zu regulieren, beeinflussen unsere Fähigkeit, geduldig zu reagieren. Ein weiterer wichtiger Faktor sind unsere Erwartungen – je höher sie sind, desto wahrscheinlicher warten wir mit grosser Ungeduld.

Zwei weitere Aspekte sind zum einen die Situationen selbst und zum anderen körperliche Aspekte wie Müdigkeit, Krankheit, Hunger oder Stress. Reagieren wir auf den morgendlichen Stau zur Arbeit mit Ungeduld, dann heisst das nicht, dass wir grundsätzlich ungeduldig sind. Sie kennen sicherlich selbst das Phänomen: Je nach Stimmungslage ist Ihre Schlange vor dem Postschalter entweder die mit Abstand lahmste, oder das Warten vergeht wie im Fluge.

Das Gute: Ungeduld ist nicht per se schlecht

Ungeduld muss nicht unbedingt negativ oder vergeudete Energie sein. Es gibt Situationen im Leben, in denen es nicht von Vorteil ist, allzu geduldig zu sein. Angesichts von Ungerechtigkeiten sollte man aktiv werden, statt allzu geduldig darauf zu hoffen, dass bessere Zeiten von alleine kommen.

Zudem ist Ungeduld auch ein Zeichen dafür, dass Ihnen etwas nicht völlig gleichgültig ist. Stellen Sie sich Ihre Geduld wie eine Waage vor. Sind Sie in Ihrem gewünschten Gefühl – sprich, Sie reagieren ruhig angesichts von Widrigkeiten, Frustrationen oder Leiden –, dann sind Sie in Ihrer Balance. Sie können mit kühlem Kopf die Situation beurteilen und haben noch genug Energie, um kreativ eine Lösung zu finden. Bei einem Übermass an Ungeduld schlägt die Waage aus. Der Mangel an innerer Ruhe löst Stress aus, beeinträchtigt das Denkvermögen und führt zu Überreaktionen. Aber auch ein Übermass an Geduld lässt die Waage ausschlagen. Hier stellt sich ein Gefühl von derart stoischer Ruhe ein, dass Sie sich von der Situation lösen – Sie reagieren gar nicht mehr, entziehen sich der Lösungsfindung. Gleichgültigkeit macht sich breit.

Nehmen Sie einen Streit als Beispiel. Wenn Sie ruhig reagieren, können Sie zuhören, Lösungen ansprechen und so die Hitzigkeit aus der Diskussion nehmen. Bei einer ungeduldigen Reaktion kann es passieren, dass Sie ohne nachzudenken reagieren. Vielleicht werden Sie wütend und laut, oder Sie treten die Flucht nach innen an und mauern. Bei einem Übermass an vermeintlicher Ruhe haben Sie vielleicht schon längst innerlich gekündigt. Sie reagieren mit Gleichgültigkeit, ignorieren den anderen, haben sich von der Beziehung längst gelöst.

Ein Übermass an Ungeduld ist ungesund

Bereits in den 1980er Jahren fanden Forscher heraus, dass ein Übermass an Ungeduld zu Reizbarkeit und einem höheren Risiko für Herzprobleme führen kann. Eine Studie aus dem Jahr 2016 lässt sogar vermuten, dass zu viel Ungeduld den Alterungsprozess beschleunigt. Die US-amerikanische Psychologin und Neurowissenschaftlerin Sarah A. Schnitker fand durch ihre Forschungen über Ungeduld heraus, dass diese mit dem Gefühl von Einsamkeit und häufigerem Auftreten von depressiven Symptomen in Verbindung gebracht werden kann. Andere Arbeiten Schnitkers konnten zudem nachweisen, dass Geduld mit positiven Aspekten wie Lebenszufriedenheit, Selbstwertgefühl, Selbstkontrolle und sogar Durchhaltevermögen verbunden ist. Wenn wir geduldig sind, dann sind wir ruhiger, so dass wir besser den Überblick und Weitblick behalten. Wir behalten die Kontrolle und können besser entscheiden, wie wir handeln wollen. Sie fand auch heraus, dass wir kein Opfer unserer Gene sind, sondern dass man sich in Geduld üben kann.

So üben Sie sich in Geduld
1. Beobachten Sie sich

Identifizieren Sie, wann Sie ungeduldig sind und welche Emotionen Sie in diesen Momenten haben. Was nervt Sie warum, wenn Sie zum x-ten Mal die gleiche Geschichte hören? Fühlen Sie sich immer unwohl, wenn Ihr Zug Verspätung hat oder Sie im Stau stehen? Was ärgert Sie, wenn Sie in einer Warteschleife hängen? Gibt es vielleicht Muster oder Vorläufersignale? Wenn wir beispielsweise wissen, was uns stresst, dann können wir rechtzeitig gegensteuern. An einem Tag, an dem ich unausgeschlafen und damit vielleicht weniger gut gelaunt bin, sollte ich nicht bei einer Hotline anrufen. Wenn ich nach der Arbeit am Abend noch einkaufen muss, sollte ich nicht auf den letzten Drücker das Büro verlassen.

2. Akzeptieren Sie, was Sie nicht ändern können

Frei nach dem Gelassenheitsgebet „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“ ist es gut zu akzeptieren, dass die Dinge manchmal so sind, wie sie sind. Zudem lohnt sich immer die Frage: Ist das wirklich so wichtig? Sie haben vielleicht eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg.

3. Denken Sie an Ihr Hauptziel

An das übergeordnete Hauptziel zu denken hilft, sich in Geduld zu üben. Natürlich zerrt es an den Nerven, wenn man gebetsmühlenartig seiner Fünfjährigen erklärt, dass Brokkoli zu Mittag nahrhafter ist als ein Vanilleeis und es viel schöner ist, wenn das Essen ohne Schmollen abläuft. Das übergeordnete Hauptziel ist aber die Gesundheit Ihres Kindes und ihm zu vermitteln, was eine gesunde Ernährung ist. Sich immer wieder die eigenen Prioritäten vor Auge zu halten hilft, Durststrecken auszuhalten.

4. Bloss nicht persönlich nehmen

Versetzen Sie sich in die Situation der anderen, um geduldiger reagieren zu können. Bei vielem, das in uns Ungeduld auslöst, geht es nicht um uns. Der Zug bleibt nicht absichtlich im Tunnel stecken, der Kollege verpasst die Frist nicht, um Sie zu ärgern, der Friseur hat nicht deswegen erst in zwei Wochen einen Termin frei, weil er andere Kunden bevorzugt.

5. Üben Sie sich in Dankbarkeit

Versuchen Sie, sich auf die Dinge zu konzentrieren, für die Sie dankbar sind, statt sich zu ärgern oder etwas persönlich zu nehmen. Vielleicht nervt Sie die Flugverspätung, die Sie einen halben Urlaubstag kostet, aber immerhin können Sie in die Ferien fahren. Möglicherweise stört Sie die langsame Kassiererin, die mit jedem Kunden schwatzt, aber immerhin nimmt sie jeden Kunden – auch Sie – wahr. Dankbarkeit ändert nichts an Ihrer Situation, aber sie hilft Ihnen, ruhig zu bleiben und sich auf das Gesamtbild zu konzentrieren.

6. Entspannen Sie sich

Reisen Sie gedanklich in Ihren Körper, und finden Sie heraus, woher Sie wissen, dass Sie ungeduldig sind. Sind Sie angespannt? Falls ja, wo im Körper? Atmen Sie flach? Krampft sich Ihr Magen zusammen? Konzentrieren Sie sich so genau wie möglich auf diese Empfindungen, und dann versuchen Sie, diese zu entspannen. Sehr hilfreich ist eine bewusste, tiefe Bauchatmung. Machen Sie einige Atemzüge, konzentrieren Sie sich auf die Ausatmung, und lassen Sie dann den Atem fliessen.

7. Meditieren Sie regelmässig

Eine Studie aus dem Jahr 2017 ergab, dass Achtsamkeitsmeditation die besondere Art von Sorge ausgleichen kann, die auftritt, wenn wir auf etwas warten müssen. Indem wir meditieren, trainieren wir unseren Geist, sich zu konzentrieren und unsere Gedanken von alltäglichen Belastungen zu befreien, die unsere Aufmerksamkeit ablenken. Meditation baut Stress ab, macht Angstzustände kontrollierbar und fördert unser emotionales Wohlbefinden. All das hilft uns, unsere Geduld zu verbessern. Das Schöne: Meditieren kann man jederzeit, und Achtsamkeitsübungen sind überall möglich, sogar in überfüllten Zügen.

8. Schlafen Sie ausreichend

Achten Sie auf genügend Schlaf. Nicht ohne Grund wird mit Schlafentzug gefoltert. Müdigkeit stresst und kann Wutgefühle verstärken. Wenn wir unausgeschlafen sind, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass wir gereizt reagieren. Was uns sonst nicht weiter berührt, wie Radfahrer auf dem Bürgersteig oder Leute, die im Schneckentempo vor uns gehen, fällt uns dann gehörig auf die Nerven.

9. Bewegen Sie sich

Vielleicht kennen Sie das Phänomen auch, dass man lieber über langsame Bundesstrassen kurvt, als sich im Stop and Go auf der Autobahn zu befinden? Oftmals fühlen wir uns noch nervöser und ungeduldiger, wenn wir sitzend warten müssen.  Stehen Sie also – sofern möglich – auf. Gehen Sie ein paar Schritte, dehnen Sie sich, oder wippen Sie zumindest auf den Zehen.

10. Werden Sie langsamer

Ja, das klingt vollkommen verrückt – bewusst langsamer zu werden in einer Welt, in der wir gewöhnt sind, dass alles schnell zu gehen hat, am besten sofort. Wenn aber Hetzerei zu Ihrer Standardeinstellung geworden ist, lohnt sich ein Abbremsen. Springen Sie morgens nicht gleich aus dem Bett, etablieren Sie ein ruhiges Morgenritual, zum Beispiel in Ruhe Ihre Tasse Kaffee zu trinken, seien Sie öfter einmal offline, gehen Sie ohne Smartphone aus dem Haus, essen Sie zu Mittag in Ihrer Mittagspause, checken Sie keine Mails mehr am Abend und so weiter. Wenn Sie nur in Hetze sind, bekommen Sie vieles gar nicht mit. Oftmals sind es die kleinen Dinge im Leben, die viel Kraft, Freude und Ruhe geben.

Geduld, Geduld

Denken Sie daran, dass es ein schrittweiser Prozess ist, sich in Geduld zu üben, der nicht über Nacht stattfinden wird. Freuen Sie sich über jede Zwischenetappe. Ein Marathon braucht ja auch einiges an Training, bevor man die 42 Kilometer schafft.

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2 thoughts on “10 Tipps, um sich in Geduld zu üben

  1. assi

    jaaaa. Danke für die Zusammenstellung. Mir tut das gut, immer wieder mal zu lesen und zu wiederholen…

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