So findet man als Erwachsener neue Freunde!

So findet man als Erwachsener neue Freunde!

So findet man als Erwachsener neue Freunde!

So findet man als Erwachsener neue Freunde!

Wir Menschen haben ein angeborenes Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Vielen Erwachsenen fällt es aber schwer, auf andere zuzugehen und neue Freundschaften zu schliessen. Die Wissenschaft zeigt, dass es viel leichter ist, als wir glauben.

Vielen Menschen fällt es schwer, mit zunehmendem Alter Freunde zu finden, weil sie davon ausgehen, dass diese „organisch“ zustande kommen – so wie früher in der Kindheit und Jugend, als Freundschaft einfach passierte. Ein Forscherteam um Nancy Newall von der Brandon University in Kanada konnte nachweisen, dass der Gedanke, Freundschaft entstehe von alleine, eher hinderlich ist. Freundschaft – genauer gesagt, das Kennenlernen von Menschen – geschieht nicht organisch oder durch Zauberhand. Man muss schon etwas dafür tun.

Freundschaft passiert nicht einfach so

In der Studie wurden zwei Gruppen über mehrere Jahre begleitet. Die Mitglieder der ersten Gruppe glaubten, dass Freundschaft auf Glück oder Zufall beruht. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe waren davon überzeugt, dass man etwas dafür tun muss, um die richtigen Weggefährten zu treffen. Das Ergebnis nach fünf Jahren war, dass sich die Mitglieder der ersten Gruppe weit einsamer fühlten als die der anderen. Warum? Weil sich die Leute der zweiten Gruppe darüber klar war, dass man sich darum bemühen muss, Freunde zu finden. Sie gingen mit der bewussten Absicht, jemanden kennenzulernen, zu Veranstaltungen und Treffen und überliessen das nicht dem Zufall. Wer als Erwachsener neue Freunde finden will, muss folglich selbst für Situationen sorgen, in denen er auf Unbekannte treffen kann.

Die Angst vorm ersten Schritt verlieren

Nur irgendwohin zu gehen und zu hoffen, dass sich jemand um einen kümmert, reicht jedoch nicht. Die US-amerikanische Psychologin Ellen Hendriksen spricht in diesem Zusammenhang von offener und verdeckter Vermeidung. Offene Vermeidung bedeutet, dass man erst gar nicht zu Veranstaltungen geht. Verdeckte Vermeidung bedeutet, dass man zwar ausgeht und sich trifft, aber sich dann nicht mit den Menschen dort beschäftigt. Es reicht also nicht aus, einfach nur in der Nähe von anderen zu sein, sondern man muss auch die Scheu überwinden und auf andere zugehen.

Viele von uns haben Angst, auf Ablehnung zu stossen und einen Korb zu bekommen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass wir immer souveräner werden, je öfter wir den ersten Schritt wagen (lesen Sie dazu auch den Artikel: So wird man jeden Tag ein bisschen mutiger). Wir profitieren selbst von negativen Erfahrungen!

Sind wir beispielsweise auf wenig Gegenliebe gestossen, werden wir beim nächsten Mal noch achtsamer schauen, wer zu uns passt. Die Fähigkeit, auf andere zuzugehen, lässt sich erlernen, zum Beispiel indem man sich im näheren sozialen Umfeld des Öfteren im Small Talk übt (z.B. beim Bäcker über das Wetter reden, beim Friseur über die aktuelle Mode usw.).

Wir werden mehr gemocht, als wir glauben!

Viele von uns haben eine hohe Tendenz, sich viel kritischer zu sehen, als es andere tun. Ein Forscherteam um Erica Boothby von der Cornell University hat untersucht, wie sehr wir systematisch unterschätzen, dass andere Menschen uns mögen. In ihrer Studie mussten sich Probanden in unterschiedlichen Kontexten miteinander unterhalten und interagieren – im Labor, im Studentenwohnheim, in einem Workshop für berufliche Weiterentwicklung.

Danach wurden sie gefragt, wen sie sympathisch fanden und wie sehr sie nach ihrer Einschätzung von wem gemocht wurden. Es stellte sich heraus, dass alle glaubten, weniger von anderen gemocht zu werden, als es tatsächlich der Fall war. Dabei spielte es keine Rolle, in welchem Kontext sie sich getroffen hatten und ob sie über ein geringes oder grosses Selbstwertgefühl verfügten.

Es ist ein Mythos zu glauben, dass man faszinierend, charismatisch oder lustig sein muss, um andere für sich zu gewinnen. Sympathie entsteht nicht dadurch, dass man den anderen beeindruckt, sondern dass sich dieser geschätzt und angenommen fühlt. Denn ganz ehrlich, mit wem wären Sie lieber befreundet: mit jemandem, der charismatisch ist, oder mit jemandem, bei dem Sie sich wohl und akzeptiert fühlen?

Freunde zu finden ist ein Prozess

Sollte das erste Treffen in einem Verein, Chor oder Club nicht ganz so optimal verlaufen, lohnt es sich, seine Ressentiments über Bord zu werfen und nochmals hinzugehen. In einer Studie der US-amerikanischen Psychologen Richard Morland und Scott Beach von der University of Pittsburgh wurde nachgewiesen, dass wir Menschen, die wir öfter sehen – und damit zu kennen glauben – mehr mögen.

In ihrer Untersuchung setzten sie in einem College fremde Schüler in verschiedene Klassen. Die Fremden interagierten und sprachen nicht mit den anderen Schülern. Jedoch tauchten manche von ihnen in bestimmten Klassen häufiger auf als andere. Die Fremden, die die Schüler öfter gesehen hatten, wurden zu mehr als 20 Prozent als sympathischer bewertet.

Das Wissen, dass Sympathie und Freundschaft Zeit brauchen und wie ein Prozess verstanden werden sollten, ermöglicht uns, mit realistischen Erwartungen auf andere zuzugehen. Nur weil wir uns nicht gleich mit jemandem eng verbunden fühlen, heisst das nicht, dass wir überhaupt keine Freunde sind oder werden könnten. Freundschaft will gepflegt sein. Indem man Zeit miteinander verbringt und sich besser kennenlernt, können Vertrautheit und Freundschaft entstehen.

Mehr erfahren:

Newall, N. E., Chipperfield, J. G., Clifton, R. A., Perry, R. P., Swift, A. U., & Ruthig, J. C. (2009). Causal beliefs, social participation, and loneliness among older adults: A longitudinal study. Journal of Social and Personal Relationships, 26(2-3), 273–290. https://doi.org/10.1177/0265407509106718

Boothby, E. J., Cooney, G., Sandstrom, G. M., & Clark, M. S. (2018). The liking gap in conversations: Do people like us more than we think? Psychological Science, 29, 1742–1756. doi: 10.1177/0956797618783714

Moreland, R. L., Beach, S. R.: Exposure effects in the classroom: The development of affinity among students, https://doi.org/10.1016/0022-1031(92)90055-O

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