Zynisch – also kompetent und erfolgreicher?

Zynisch – also kompetent und erfolgreicher?

Zynisch – also kompetent und erfolgreicher?

Zynisch also kompetent und erfolgreicher?

Im Vergleich zu jenen mit einer zynischen Weltanschauung werden Menschen mit einer idealistischen Einstellung als weniger kompetent und intelligent wahrgenommen. Das gaukeln uns zumindest unsere Unterhaltungsmedien vor, in denen Zyniker erfolgreicher und mächtiger sind. Aber der Schein trügt! Die Realität zeigt ein komplett anderes Bild.

Blickt man sich in unseren Unterhaltungsmedien um, könnte man glauben, dass Zynismus ein Garant für Erfolg, Macht und Einkommen ist. Sowohl in Film und Fernsehen wie auch in der Literatur wimmelt es von zynischen Figuren. Denken wir nur an Frank Underwood in House of Cards, der es mit seiner zynischen Weltsicht bis zum Präsidenten der USA schafft. Oder Tyrion Lannister in Game of Thrones, der wegen seines beissenden Zynismus als cleverster Kopf von Westeros betitelt wurde.

Lässt sich dieses fiktive Bild auf unseren Alltag übertragen? Sind zynische Menschen intelligenter und erfolgreicher? Die beiden Wissenschaftler Dr. Olga Stavrova und Dr. Daniel Ehlebracht vom Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität Köln sind diesen Fragen nachgegangen. Die beiden konnten nachweisen, dass Zyniker tatsächlich für kompetenter im Umgang mit Zahlen, Computern und auch Worten gehalten wurden. Sie konnten aber auch nachweisen, dass dieser Schein nichts mit dem echten Sein zu tun hat. Förderlich ist eine zynische Haltung nicht!

Umgangssprachliche Bedeutung des Zynismus

Als Zynismus bezeichnet man eine Haltung, Denk- und Handlungsweise, die durch alles herabsetzenden Spott geprägt ist und oft bewusst die Gefühle anderer Personen oder gesellschaftliche Konventionen missachtet.

Zyniker nehmen nichts ernst und provozieren gerne rein aus Prinzip. Sie kritisieren ohne Tabu. Ihnen ist nichts heilig. Sie nehmen billigend in Kauf, andere zu verletzen. Mehr noch, Zyniker sehen es als ihre Pflicht an, die Realität beim Namen zu nennen. Wobei nicht jeder Realist ein Zyniker sein muss. Abgesehen davon, dass der Begriff Realität dehnbar ist, denn jeder Mensch nimmt seine Umwelt anders wahr.

Schlecht fürs Herz – auch im sprichwörtlichen Sinne

Schon lange ist bekannt, dass sich eine zynische Weltanschauung negativ auf das psychische und physische Wohlbefinden auswirkt. Misstrauen, das sich bis zur Feindseligkeit steigert, senkt die Lebenserwartung und bewirkt Herzkrankheiten. Aktuelle finnische Studien nähren zudem den Verdacht, dass bei Zynikern das Risiko, an Demenz zu erkranken, höher ist.

Zyniker gehören zudem zu den eher unbeliebten Zeitgenossen und sind entsprechend einsam und isoliert. Wer mag schon mit jemandem befreundet sein, der seinen Mitmenschen mit demonstrativer Verachtung entgegentritt? Das wiederum bestätigt seine Haltung und führt in einer Spirale nach unten.

Es wundert daher wenig, dass Zyniker aufgrund ihrer Einstellung beruflich meistens hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Ihre destruktive Haltung und ihre Verachtung gegenüber Kollegen und dem Management – manchmal gegenüber der gesamten Firma – blockieren ihre Karriere.

Ungesund und weniger Einkommen

Stavrova und Ehlebracht sind daher auch der Frage nachgegangen, inwieweit eine zynische Einstellung Einfluss auf das Einkommen hat. Dazu führten sie mehrere Studien in den USA und Deutschland durch. Allein in Deutschland wurden mehr als 15.000 Menschen über neun Jahre hinweg befragt.

Die Ergebnisse waren eindeutig: In allen Studien zeigte sich ein negativer Effekt des Zynismus auf die Entwicklung des Einkommens! Und das vollkommen unabhängig von der Persönlichkeit eines Menschen.

Idealismus ist besser für den Geldbeutel

Zudem konnten die beiden Wissenschaftler nachweisen, dass ein zynisches Menschenbild zu einem geringeren Durchschnittseinkommen und einer flacheren Einkommensentwicklung führt als ein idealistisches Menschenbild. Grund hierfür sei, dass Zyniker wegen ihres Misstrauens und ihrer Schwarzseherei allzu oft günstige Gelegenheiten und Chancen nicht wahrnehmen und verpassen. Das konnten Stavrova und Ehlebracht unter anderem in einem Vertrauensspiel beobachten.

In diesem Experiment erhielt jeder Proband 10 Euro. Er konnte das Geld behalten oder weitergeben. Wenn er das Geld weitergibt, so die Spielregel, bekommt eine zweite Person zusätzlich 20 Euro und kann, wenn sie möchte, die Gesamtsumme teilen, so dass jeder 15 Euro erhält. Die 10 Euro sind dem Probanden auf jeden Fall sicher.

Es zeigte sich eindeutig, dass ein Zyniker wenig bis kein Vertrauen in andere Menschen hat. Statt auf die Grosszügigkeit oder Fairness der zweiten Person zu vertrauen oder zu hoffen, nimmt der Zyniker lieber die 10 Euro. Er vergibt somit die Chance auf einen Zugewinn von 50 Prozent. Möglicherweise folgt er Gedanken wie: „Die meisten Menschen wollen einen ausnutzen“, oder: „Es ist besser und sicherer, Fremden nicht zu vertrauen.“ Damit verpasst er nicht nur die Gelegenheit, 5 Euro mehr zu haben, sondern auch, sein Weltbild zu korrigieren.

Je korrupter das Land, desto weniger schadet Zynismus

Nach den Studien in den USA und Deutschland wollten Stavrova und Ehlebracht wissen, ob der gefundene Zusammenhang zwischen Zynismus und geringerem Einkommen überall gültig ist. Dafür analysierten sie Ergebnisse aus 41 Ländern und machten eine interessante Entdeckung. Je entspannter das soziale Klima ist, umso negativer wirkt sich Zynismus auf das Einkommen aus. Je ausgeprägter die Korruption und je höher die Kriminalitätsrate in einem Staat ist, umso geringer die Nachteile für den Zyniker. Hier scheint dessen Misstrauen eher von Vorteil zu sein.

Zynismus macht nicht erfolgreich(er)

Die Ergebnisse von Stavrova und Ehlebracht zeigen eindeutig, dass die Fantasie eines „zynischen Genies“, das so gerne in den Unterhaltungsmedien präsentiert wird, eine Illusion ist. Langfristig und nachhaltig besser – für Herz, Verstand und Geldbeutel – ist eine idealistische Weltanschauung!

Literatur:

Olga Stavrova und Daniel Ehlebracht: Cynical beliefs about human nature and income: Longitudinal and cross-cultural analyses. Journal of Personality and Social Psychology, 110/1, 2016, 116–132

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