Wieso „Vereinsmeierei“ gesund ist!

Wieso „Vereinsmeierei“ gesund ist!

Wieso „Vereinsmeierei“ gesund ist!

Wieso „Vereinsmeierei“ gesund ist!

Beim Gedanken an Clubs oder Vereine hört manch einer den Amtsschimmel wiehern. Hinzu kommen Vorstellungen von fixen Terminen und ausufernden Verpflichtungen sowie einer gewissen Behäbigkeit, die für viele abschreckend ist. Dabei zeigen aktuelle Studien, dass Menschen, die mehreren Gruppen angehören, besser und gesünder leben. Von wegen „Vereinsmeierei“!

Gleich vorweg: Trotz mancher Vorbehalte gegenüber dem Vereinsleben bis hin zu Foppereien, was die „Vereinsmeierei“ betrifft, kann von Vereinsmüdigkeit oder gar -sterben keine Rede sein. Ganz im Gegenteil! In Österreich hat sich die Anzahl der Vereine in den letzten 50 Jahren fast verdreifacht auf knapp 120.000. Zwar fehlen für die Schweiz exakte Zahlen, weil sich Vereine nicht registrieren müssen, aber man spricht von rund 100.000 Vereinen – das macht einen Verein pro 80 Einwohner. In Deutschland sind ca. 23 Millionen Mitglieder in mehr als 600.000 Organisationen aktiv, von Sport- oder Musikvereinen über Stiftungen und Genossenschaften bis zur Freiwilligen Feuerwehr.

Vereinsleben als Heilmittel gegen Depressionen

Es gibt viele empirische Studien darüber, wie heilsam eine Gruppenzugehörigkeit für uns Menschen ist. Aktive Vereinsmitglieder sind nachweislich weniger anfällig für grippale Infekte, ihre Gehirnleistung bleibt im Alter länger stabil, und wenn sie einen Unfall oder schwere Verletzungen erlitten haben, leiden sie weniger unter posttraumatischen Stresssymptomen. Studien zeigen, dass Schlaganfallpatienten eine höhere Zufriedenheit bei der Genesung aufweisen, wenn sie vor der Attacke mehreren Gruppen zugehörten. Insbesondere Menschen, die einem erhöhten Risiko für Depressionen unterliegen oder bereits daran erkrankt sind, profitieren stark von einem aktiven Vereinsleben.

Unter der Leitung der Psychologin Tegan Cruwy wurden die Aussagen von fast 4.000 Engländerinnen und Engländern im Alter von über 50 Jahren zu ihrer Lebens- und Gesundheitssituation analysiert. Es zeigte sich, dass sich das Risiko, an einer Depression zu erkranken, bei Nichtdepressiven mit einem Vereinsbeitritt stark reduzierte. Bereits Erkrankte konnten bessere Ergebnisse bei der Genesung aufweisen, und das Rückfallrisiko reduzierte sich von 41 auf 31 Prozent bei einem Beitritt in einen Club oder Verein. Interessanterweise können Freundschaftsnetzwerke nicht unbedingt ähnlich positive Resultate aufweisen.

Verein vs. Freundeskreis

Was ist so anders an einer organisierten Gruppe mit Vereinsstatuten als an einem Freundes- oder Bekanntenkreis? Immerhin kann man sich auch mit Familienangehörigen, Nachbarn oder Arbeitskollegen zu einer Radtour verabreden, ganz ohne Clubbeitrag und Kuchenbacken zum Vereinsfest. Gemäss den Psychologen ist der grösste Unterschied das Gefühl der Gemeinschaft und Zugehörigkeit, kurzum die Identifikation mit der Gruppe. „Vereinsmeierei“ verbindet mehr, als das sie einen zustaubt.

Identifikation – der heilsame Wirkstoff

Für Fabio Sani, Professor für Sozialpsychologie an der Universität von Dundee in Schottland, ist Identifikation der wichtige Kitt, der zusammenhält und so heilsam für den Einzelnen ist. Fehlt dieser Kitt, sprich die Identifikation mit der Gruppe, ist ihr der Nährboden für ihre heilsame Wirkung entzogen. Zu diesen gesundheitsfördernden Effekten gehört, dass Menschen umso gesünder leben, je mehr Gruppen sie angehören. Das konnte Sani bei einer Studie mit etwa 1.800 Patienten schottischer Hausärzte nachweisen. Sei es, dass man einem positiven Gruppenzwang unterliegt, sich gesünder zu verhalten, für das nächste Vereinsfest fit sein möchte oder die Clubstatuten gewisse Regeln wie Nichtrauchen in den Vereinsräumen aufsetzen – aktive Vereinsmitglieder verhalten sich mehrheitlich gesundheitsbewusst.

Früh übt sich

Der moralische und praktische Rückhalt einer Gruppe hilft, Stress abzubauen und Einsamkeitsgefühle im Zaum zu halten. Studien zeigen, dass gemeinsame Gruppenerlebnisse und die Unterstützung Gleichgesinnter so manche Umbrüche im Leben besser meistern lassen. Bezugnehmend auf die Anzahl aktiver Vereinstätigkeiten in der Schulzeit konnten englische Forscher treffsicher voraussagen, wie sich Erstsemester an das Unileben gewöhnen werden. Je mehr Gruppen ein Studierender angehörte, desto leichter fiel es ihm/ihr, sich an die neuen Herausforderungen zu gewöhnen. Zu den Gründen gehört möglicherweise, dass man schon früh gelernt hat, auf andere zuzugehen und sich mit Gleichgesinnten zu organisieren. Wichtige Fähigkeiten wie Teamgeist, Diplomatie und Kompromissfindung erlernt man dabei ganz nebenbei.

Gibt es auch eine Art Vereinsmeierei auf Facebook & Co.?

Können virtuelle Gruppen dasselbe bewirken wie persönliche Treffen mit Gleichgesinnten? Erste Studienergebnisse zeigen sehr positive Befunde. Obgleich im Internet anders kommuniziert wird und dies manchmal weniger verbindlich wirken mag, zeigen Studien aus England und Italien vielversprechende Ergebnisse. Dies gilt insbesondere für die Gruppe der Senioren, deren Netzwerke auch bei eingeschränkter Mobilität nicht automatisch schrumpfen müssen. Positive Aussichten für gesundes Altern – und das sogar ganz ohne Kuchenbacken für das Vereinsfest!

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