10 Bücher, die inspirieren

10 Bücher, die inspirieren

10 Bücher, die inspirieren

10 Bücher, die inspirieren

Die Wissenschaft beschäftigt sich erst seit etwa 20 Jahren mit dem Einfluss des geschriebenen Wortes auf unseren Geist. Erstaunlich, den unser Gehirn liebt Geschichten und somit Bücher. Die wichtigsten Erkenntnisse der jungen Disziplin sind, dass Lesen zu den bedeutsamsten Kulturleistungen gehört und dass es unser Gehirn nachhaltig geformt hat und auch weiterhin formt.

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen (Neuronen), die untereinander durch etwa 100 Billionen Synapsen (Kontaktstellen zwischen Nervenzellen) verbunden sind. Täglich verarbeitet es Unmengen an Informationen und führt unzählige Befehle aus, darunter allein bis zu 20.000 Entscheidungen. Sehen, Hören, Riechen − all das und noch mehr leistet unser Gehirn. Seine liebste Beschäftigung ist das Lernen. Aus diesem Grund sind gute Geschichten und tolle Bücher mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung.

Was passiert im Gehirn, wenn wir lesen?

Im ersten Schritt ist Lesen für uns dadurch möglich, dass in der Fovea, dem Zentrum unserer Netzhaut, die Auflösung optischer Reize ausreichend hoch ist. Da dieser Bereich gerade einmal 15 Grad des Sehfeldes umfasst, hüpft unser Blick beim Lesen. Diese Hüpfer nennt man Sakkaden. Im Durchschnitt finden pro Lesesekunde vier bis fünf Sakkaden statt, bei denen wir jeweils zehn bis zwölf Buchstaben aufnehmen. Geübte Leser können 400 bis 500 Wörter pro Minute verarbeiten.

Bereits das Entziffern einzelner Wörter aktiviert im Gehirn eine Vielzahl von Bereichen, insbesondere in der linken Hirnhälfte. Wenn wir lesen, simuliert unser Gehirn das fiktive Geschehen. Dies geschieht vor allem im prämotorischen Kortex, der für höhere geistige Leistungen und Perspektivwechsel wichtig ist. Handlungen und Figuren erwachen zum Leben. Das Gehirn kann kaum unterscheiden, was real ist und was fiktiv. Für unser Gehirn sind die Erlebnisse in den Büchern echt!

Lernen bildet das Gehirn

Obwohl wir rein genetisch keine Neigung zum Lesen haben, verfügt unser Gehirn über hoch spezialisierte Abschnitte dafür. Möglicherweise handelt es sich dabei um Gehirnbereiche, die ursprünglich für andere Zwecke bestimmt waren. Für den französischen Neurowissenschaftler Stanislas Dehaene, Professor am Collège de France, ist klar, dass die Fähigkeit zum Lesen unser Gehirn nachhaltig verändert.

Anhand moderner Messmethoden konnten Wissenschaftler beobachten, wie stark unsere Nervenzellen auf Schrift reagieren. Bei einer Gruppe kolumbianischer Analphabeten, denen das Lesen beigebracht worden war, suchten Forscher nach Veränderungen in deren Gehirn. Sie fanden heraus, dass sich an den Stellen, an denen Lesen stattfindet, die graue Hirnsubstanz verdichtet hatte. Zudem hatten sich die Verbindungen zwischen bestimmten neuronalen Regionen verfestigt.

Eine andere Studie zeigt, was im Gehirn geschieht, wenn Menschen etwas lesen, was ihnen fremd ist. In einem Experiment wurden lesegeübten und -ungeübten Probanden unterschiedliche Satzreihen präsentiert. Manche Satztypen bestanden aus in sich stimmigen Aussagen, andere ergaben keinen Sinn. Die Messung der Hirnströme zeigte, dass die Neuronen ungeübter Leser kaum Unterschiede zwischen den beiden Textarten aufzeigten. Das unterschied sie von den geübten Lesern, deren Neuronen auffällig anders reagierten, je nachdem, ob sie sinnvolle Sätze oder wirres Zeug lasen.

Nicht nur Kinder verbessern durch regelmässiges Lesen die neuronalen Verschaltungen in ihren Gehirnen. Erwachsene profitieren zeitlebens ebenso von dieser Fähigkeit. Studien mit lesefreudigen Senioren belegen, dass diese länger geistig fit bleiben und seltener Symptome von Demenz zeigen.

Lesen macht sozialer

Eine Studie aus dem Jahr 2006 von kanadischen Psychologen der University of Toronto kommt zum Ergebnis, dass Lesen die sozialen Fähigkeiten stärkt. Sie baten Probanden, an einem Empathietest teilzunehmen. Es ging darum, die emotionale Befindlichkeit von auf Fotos dargestellten Personen zu beurteilen. Insbesondere diejenigen, die häufig Bücher mit differenzierten und lebensnah gezeichneten Charakteren konsumierten, schnitten überdurchschnittlich gut ab.

Fazit: Die Bedeutung des Lesens für unseren Geist kann kaum überschätzt werden.

Daher hier einige meiner Lieblingsbücher − bunt gemischt und für jeden Lesegeschmack. Sicherlich ist die Liste unvollständig und lässt sich mit Leichtigkeit erweitern. Schreiben Sie mir, welche Bücher zu Ihren persönlichen Favoriten zählen!

10 Bücher, die ich gerne empfehle
Paulo Coelho: Der Alchemist

Der brasilianische Autor Paulo Coelho erzählt die Geschichte des einfachen andalusischen Hirtenjungen Santiago, der einen wiederkehrenden Traum hat: Am Fuss der Pyramiden liege ein Schatz für ihn bereit. Santiago wagt den Schritt ins Unbekannte. Für seinen Traum gibt er alles auf, was er kannte und was ihn ausmachte. Auf der Suche nach seinem Schatz gewinnt Santiago einige wichtige Lebensweisheiten. So erkennt er, dass es neben materiellem Reichtum grössere Schätze gibt, zum Beispiel Freundschaft oder die Liebe. Die schlichte Sprache seiner märchenhaften Fabel macht Coelhos Credo leicht verständlich: Es ist erfüllend und sinnstiftend, den eigenen Weg zu gehen und seine Träume zu erfüllen, auch wenn der Weg steinig ist.

Max Frisch: Stiller

Bei seiner Einreise in die Schweiz wird Mister White („unbeschriebenes Blatt“) festgenommen. Die Polizei hält ihn für den verschwundenen Bildhauer Anatol Ludwig Stiller. Freunde des Künstlers bestätigen den Verdacht. Er aber behauptet: „Ich bin nicht Stiller!“ Ist er es, oder ist er es nicht? Und wenn er es nicht ist, wer ist er dann? „Stiller“ war der erste grosse Erfolg des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. Es ist ein tiefgründiges Buch über Identität, das trotz seines vielschichtigen Plots leicht zu lesen ist. In „Stiller“ tauchen bereits die Fragen auf, die später in „Andorra“ nochmals aufgenommen werden: Was macht Identität aus? Bin ich die Person, die ich bin, oder bin ich, was die Gesellschaft erwartet? Wo vermischen sich die Grenzen? Die Erzählungen aus verschiedenen Sichtweisen zeigen zudem, dass es nicht die eine Wahrheit gibt, sondern dass sich die sogenannte Realität aus verschiedenen, gleichberechtigten Wahrnehmungen ergibt.

Erich Fromm: Die Kunst des Liebens

„Die Kunst des Liebens“ gehört zusammen mit dem 20 Jahre jüngeren Buch „Haben oder Sein“ zu den bekanntesten Werken von Erich Fromm. Als ich „Die Kunst des Liebens“ zum ersten Mal las, musste ich mehrmals zurückblättern, um mich zu vergewissern, dass das Buch tatsächlich aus dem Jahr 1956 stammt. Es ist ein gesellschaftskritisches Werk, in dem der Psychoanalytiker Erich Fromm (1900–1980) die Liebe in all ihren Aspekten diskutiert: nicht nur die von falschen Vorstellungen umgebene romantische Liebe, sondern auch Elternliebe, Nächstenliebe, Erotik, Eigenliebe und die Liebe zu Gott. Für Fromm ist die Entwicklung der ganzen Persönlichkeit die Grundvoraussetzung dafür, lieben zu können. Zur wahren Liebe gehören untrennbar Mut, der Glaube an etwas und der leidenschaftliche Wille zu einem Ziel. Zudem setzt Liebe, egal zu wem oder was, Eigenliebe voraus.

Hermann Hesse: Siddharta. Eine indische Dichtung

1922 erschien „Siddhartha“ von Hermann Hesse. Das Buch erzählt von der Selbstbefreiung eines jungen Menschen aus familiärer und gesellschaftlicher Fremdbestimmung zu einem selbstständigen Leben. Kernthema ist, dass man Erkenntnis nicht aus theoretischen Lehren gewinnen kann. Sie muss durch eigene Erfahrung erworben werden. „Siddharta“ liest sich langsam und zugleich leicht. Langsam, da der erbauliche Inhalt zum Nachdenken einlädt. Leicht, da die Geschichte dieser Selbstfindung sehr spannend geschrieben ist und Hesses Sprache wie auch Gedankenführung klar und verständlich sind.

Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg

Die halbbiografische Erzählung „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling ist eine Mischung aus Tagebuch und Reisebericht. 2001 lief Kerkeling den 800 Kilometer langen Camino Francés nach Santiago de Compostela und verfasste danach ein Buch voller Humor, aber auch voller Weisheit und Wärme. Neben unterhaltsamen Reiseanekdoten bietet das Buch nachdenkliche Passagen über Kerkelings Suche nach sich selbst, aber auch nach Spiritualität und nach Gott. Insbesondere die Passagen mit den sehr griffigen Bildwelten gefallen mir gut. Ich mag auch seine Analogie zwischen Religion und Kino: „Gott ist der Film, und die Kirche ist das Kino, in dem der Film läuft.“ Wer behauptet, ein Film sei schlecht, beklagt möglicherweise aber nicht den Film selbst, sondern die schlechte Qualität der Vorführung. „Die Leinwand hängt leider schief, ist verknittert, vergilbt und hat Löcher. Die Lautsprecher knistern, manchmal fallen sie ganz aus.“

Stefan Klein: Zeit − der Stoff, aus dem das Leben ist. Eine Gebrauchsanleitung

Stefan Klein studierte Physik und analytische Philosophie und forschte auf dem Gebiet der theoretischen Biophysik. Seit 2002 ist er Autor und beschäftigt sich auf naturwissenschaftliche Weise mit philosophischen Fragen wie der, was Glück ist. In seinem Buch über Zeit geht er der Frage nach, wieso wir Zeit so unterschiedlich erleben. Sind die Momente schön, kommt uns Zeit kurz und flüchtig vor. Müssen wir warten, zieht sie sich wie Kaugummi. Dabei ist es immer dieselbe Zeit. Können wir unsere Zeit bewusster und besser nutzen? Gemäss Klein entsteht der Film unseres Lebens in unseren Köpfen, und wir sind die Regisseure.

Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Ein erfolgreicher Arzt und Frauenheld trifft ein unbedarftes Mädchen aus der Provinz. Es ist die Geschichte von Tomas und Teresa, die sich 1968 in Prag treffen. Sie werden ein Paar trotz aller Gegensätze. Dabei lebt er seine amourösen Abenteuer weiter. Sie sucht in ihm die grosse Liebe und leidet an Tomas’ Affären. Mit dem gewaltsamen Ende des Prager Frühlings ändert sich ihr Leben und ihre Beziehung grundlegend. Der tschechische Autor Milan Kundera veröffentlichte 1984 sein Buch im französischen Exil, erst 2006 erschien es auch in Tschechien. Eingebettet in die Beziehung zwischen Tomas und Teresa sind seine philosophischen Betrachtungen über Politik, Freiheit, die Macht des Zufalls wie auch Erotik und Liebe.

Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein

1983 veröffentlichte der österreichische Psychologe Paul Watzlawick seine „Anleitung zum Unglücklichsein“. Watzlawicks Buch, dessen Titel wie eine Parodie auf die Ratgeberliteratur wirkt, zeigt uns mit seinen pointierten Anekdoten und Aphorismen, wie erfindungsreich wir Menschen dabei sind, uns selbst im Weg zu stehen. Originell verpackt schildert er, was wir tun können, um unglücklich zu sein oder zu werden, und gibt dem Leser die Möglichkeit, sich an die eigene Nase zu greifen. Paradoxerweise hilft der „Anti-Ratgeber“, die eigene Lebensqualität zu verbessern: Sollte man gegen die Vorschläge rebellieren und es genau anders machen, kann es durchaus gelingen, ein weniger unglückliches Leben zu führen.

T. A. Wegberg: Du weisst es nur noch nicht

Mit 14 wurde Jesper von Unbekannten entführt und erst nach Wochen gegen ein horrendes Lösegeld freigelassen. Seither ist sein Leben nicht mehr dasselbe: Der Mittzwanziger leidet unter einer quälenden Sozialphobie, hat keine Arbeit, keine Freunde und keine Perspektive. Ein neu eingezogenes Ehepaar nimmt sich seiner an. Jesper wagt sich vorsichtig aus seinem Schneckenhaus – bis ein verstörender Fund und rätselhafte Ereignisse ihn am eigenen Verstand zweifeln lassen. Vor dem Hintergrund eines spannenden Thrillers wird in diesem Roman eine tiefere Botschaft vermittelt: wie Menschen einander zugrunde richten, aber auch stützen und stärken können. Geduld, Toleranz und Respekt befreien Jesper aus seiner inneren Gefangenschaft und geben ihm die Kraft, sich gegen die Vergangenheit zu wehren.

Meike Winnemuth: Das große Los. Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr

Die deutsche Journalistin Meike Winnemuth machte bei „Wer wird Millionär?“ mit und gewann eine halbe Million Euro. Sie entschloss sich, ein Jahr frei zu nehmen und um die Welt zu reisen. Ihre Idee: zwölf Städte in zwölf Monaten. Genauer gesagt: Sydney, Buenos Aires, Mumbai, Schanghai, Honolulu, San Francisco, London, Kopenhagen, Barcelona, Tel Aviv, Addis Abeba und Havanna. Im Buch reist man sowohl mit ihr vor Ort als auch in Winnemuths innere Welt. Sie erzählt über ihre Erfahrungen und Gedanken, über die kleinen und grossen Wunder, Kulturschocks und glücklichen Zufälle. Am Ende eines jeden Kapitels fasst sie ihre wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Das überraschende Fazit: Sie hätte den Gewinn gar nicht für ihr Vorhaben gebraucht! Zu ihren wichtigsten Erkenntnissen gehört, dass eher ein Ereignis notwendig ist, um ins Handeln zu kommen, und wie spannend es ist, durch das Reisen herauszufinden, wer man ist.

Lust auf einen guten Film?

Studien zeigen, dass heitere Filme und solche mit Tiefgang unserem Herzen im wahrsten Sinne des Wortes guttun. Lesen Sie dazu mehr im Blog 10 Filme, die inspirieren

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