Freundschaft beenden – wann es Zeit ist loszulassen

Freundschaft beenden – wann es Zeit ist loszulassen

Freundschaft beenden – wann es Zeit ist loszulassen

Freundschaft beenden – wann es Zeit ist loszulassen

Gute Freunde sind ein Spiegel – innerlich und äusserlich. Sie bereichern unser Leben, geben Sinn und Halt. Es heisst, dass man mit der Zeit zu den zehn Menschen wird, mit denen man sich am meisten umgibt. Was passiert, wenn man eines Tages feststellt, dass die eine oder andere Freundschaft nicht mehr guttut?

Kennen Sie das auch? Freundschaften, die einst sehr wichtig für Sie waren, plätschern wie ein allmählich austrocknender Bach dahin, und Sie fragen sich, wie und ob es weitergehen soll. Was ist geschehen? Wann hat diese Dürre angefangen, was hat sie ausgelöst? Und können Sie etwas zur Wiederbelebung tun?

Freunde kommen und gehen − nur einige wenige bleiben für immer

Jede Freundschaft fängt mit einer ersten Begegnung an, bei der wir schnell intuitiv spüren, ob wir den anderen mögen oder nicht. Gegenseitige Sympathie kann dann zu einer Freundschaft führen. Je nach Art der Freundschaft zeigt sich, ob wir nur einige Etappen oder den gesamten Lebensweg zusammen gehen werden. Woran liegt es, dass manche Beziehungen zu Menschen tiefer gehen und andere oberflächlicher werden? Manche Freundschaften kommen man sogar an einen Punkt, wo der Kontakt nicht mehr guttut.

Arten von Freundschaften

Bereits vor 2300 Jahren beschäftigte sich Aristoteles mit dem Thema Freundschaft und analysierte, welchen Einfluss sie auf unser körperliches und seelisches Wohlbefinden hat. Er unterschied drei Arten von Freundschaft:

  • Freundschaften, die uns nützlich sind (z.B. Geschäftsbeziehungen)
  • Freundschaften, die wir zu unserem Vergnügen pflegen (z.B. durch gemeinsame Interessen oder Erlebnisse)
  • Freundschaften, die durch Tugend begründet sind (z.B. gegenseitiges Vertrauen, Wertschätzung und Respekt)

Entsteht eine Freundschaft aus einem Motiv heraus, hat man einen gemeinsamen Nenner, beispielsweise ähnliche Interessen oder Bedürfnisse. In gewisser Weise suchen und finden sich die Freunde aufgrund eines gegenseitigen „Nützlichkeitsaspekts“. Das mag auf den ersten Blick kalkulierend klingen, kann aber für den Moment der Gegebenheit sehr tiefgehend und berührend sein. Neben Geschäftsbeziehungen oder dem Ausüben von gemeinsamen Interessen gehören hierzu auch Freundschaften mit Menschen, die einen in schweren Zeiten begleiten, Mentor sind, Schutz und Unterstützung anbieten. Ist das Bedürfnis befriedigt, fehlt die Gemeinsamkeit.

Für eine langjährige, auf gegenseitigem Verständnis und Vertrauen beruhende Freundschaft braucht es mehr als ein gemeinsames Interesse oder gemeinsame Erlebnisse. Ansonsten hält die Freundschaft nur so lange, wie die Gegebenheit anhält – so lange, bis sich eine neue Lebenssituation eingestellt hat, neue Interessen existieren oder ein Lebensabschnitt wie Schule oder ein gemeinsamer Arbeitgeber endet. Nach einer intensiven Zeit des Teilens, Wachsens und Gebens ist es sehr schmerzhaft zu erkennen, dass der gemeinsame Weg sich gegabelt hat und man nun auf unterschiedlichen Wegen oder in verschiedenen Geschwindigkeiten unterwegs ist.

Anzeichen, dass etwas nicht stimmt
  • Die Treffen geschehen aus einem Pflichtgefühl heraus und nicht mehr aus Lust, Freude und Neugier.
  • Der Austausch ist keine Bereicherung mehr. Das, was einen einst verbunden hat, existiert nicht mehr.
  • Man hat das Gefühl, bei den Treffen nicht mehr man selbst sein zu können. Man fühlt sich unwohl und fürchtet sich, offen, authentisch und ehrlich zu sein. Stattdessen übernimmt man möglicherweise eine Rolle oder absolviert einen verbalen Hürdenlauf. Nach den Treffen fühlt man sich angespannt oder ausgelaugt.
  • Die Balance zwischen Geben und Nehmen stimmt nicht mehr, angefangen von einem einseitigen Melden bis hin zu dem Gefühl, ausgenutzt oder vernachlässigt zu werden oder zurückstecken zu müssen.
  • Es herrschen Gleichgültigkeit und Desinteresse – vielleicht auf beiden Seiten, vielleicht nur einseitig.
  • Auf ein „Lass uns mal treffen oder telefonieren“ folgen keine Taten, oder die Kontaktpflege geschieht nur einseitig.
  • Man vermisst den anderen nicht, auch nicht bei wichtigen Lebensereignissen, die man zuvor gerne mit ihm geteilt hätte.
  • Der Austausch ist nicht mehr wertschätzend und respektvoll. Stattdessen werden (unter dem Deckmantel des Humors) kleinere oder grössere Gemeinheiten ausgesprochen. Zurück bleibt nach den Treffen die Frage, ob es der Freund noch gut mit einem meint.
  • Die Freundschaft baut einen eher ab als auf. Sie trägt nicht zu einer Weiterentwicklung bei. Statt Ermutigung, Unterstützung oder wohlwollende Fürsorge zu erfahren, wird man belächelt, kleingehalten oder abgewertet.
  • Unwichtige Kleinigkeiten fangen an zu nerven, und es wird jedes Haar in der Suppe gesucht, um zum Beispiel die schlechten Gedanken über den Freund zu rechtfertigen.
Eine Beziehung loslassen, um Platz für Neues zu schaffen

Es gibt immer wieder Momente im Leben, in denen man merkt, dass eine Freundschaft an Substanz verloren hat. Die Interessen haben sich geändert, der gemeinsame Zeitabschnitt ist beendet, die Wege gehen in unterschiedliche Richtungen. Eine Beziehung loszulassen kann trotz Trauer oder anfänglichem schlechtem Gewissen das Herz erleichtern. Es schafft Platz für neue Begegnungen und Freundschaften mit Menschen, die einem wohltun. Sollte man nun radikal brechen, das Ganze wie eine Sanduhr auslaufen lassen, auf bessere Zeiten hoffen oder für die Freundschaft kämpfen? Pflichtgefühl, Mitleid oder Verlustängste sind keine guten Wegbegleiter. Ebenso wenig wie zwanghaftes Festhalten an Vergangenem.

Das Loslassen alter Freunde ist keine Spontanentscheidung, sondern ein Prozess. Zu überdenken, was einen einst zusammenhielt, ist sicherlich ein erster Schritt in der Entscheidungsfindung. Der nächste ist eine sachliche Analyse, was einen heute verbindet und welcher Art die Freundschaft ist. Dabei kommt man nicht um die Frage herum, was das eigene Zutun betrifft, wie zum Beispiel:

  • Liegt es möglicherweise an mir selbst?
  • Welchen Anteil habe ich an der Situation?
  • Habe ich mich verändert?
  • Habe und hatte ich ein offenes Ohr?
  • Stimmt die Balance zwischen Geben und Nehmen?
  • Habe ich im Moment Stress, so dass ich vielleicht achtlos und unsensibel bzw. übersensibel reagiere?
  • Nehme ich dem Freund etwas übel, was er getan hat? Oder was er nicht getan hat?
  • Was sind meine Erwartungen?
REDEN!

Vielleicht braucht es einfach nur ein wenig Zeit, bis sich die Dinge wieder zu einem Guten fügen? Oft erfolgen Veränderungen in der Freundschaft auch durch Veränderungen im Leben, sei es ein neuer Partner oder eine Trennung, ein neuer Job oder eine Kündigung, Familienzuwachs oder ein Umzug. All das kann Auswirkungen auf eine Freundschaft haben. Verändert sich eine Lebenssituation, verändern auch wir uns. Gut, wenn wir darum wissen, sowohl bei uns als auch bei unserem Freund. Es heisst zwar: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, aber wertschätzend die eigene Wahrnehmung auszusprechen kann einer eingeschlafenen Freundschaft den nötigen Frischekick geben. Vielleicht fällt der Freund aus allen Wolken, wenn er hört, dass man sich vernachlässigt fühlt. Möglicherweise ist ihm die eine oder andere unbedachte Aussage überhaupt nicht bewusst.

Loslassen und neu orientieren schafft auch persönliche Chancen

Die eigene Gefühlslage in Worte zu fassen und dann auch noch auszusprechen ist und fällt schwer − dennoch lohnt es sich. Selbst dann, wenn das Gespräch nicht die erhoffte Zellerneuerung für die Freundschaft bringt. Man hat sich Klarheit über sich und die eigenen Bedürfnisse verschafft. Eine solche Analyse setzt zudem andere Aspekte des Selbst frei, über die es sich nachzudenken lohnt. Allein die Erkenntnis, dass man zum Beispiel unter Verlustängsten leidet, sich nicht gut abgrenzen kann, gefallen möchte oder sich vor Neuem ängstigt, kann ein weiterer Schritt im persönlichen Reifungsprozess sein. Das hilft bei der Neuorientierung. Man weiss nun besser, was man will und braucht. Mit diesem Wissen im Gepäck kann man sich auf die Suche nach Menschen begeben, die zu einem passen und einem guttun.

Eine objektive Analyse hilft auch das Gewissen zu entlasten, wenn man vielleicht nicht ausreichend treu oder loyal war oder die Freundschaft oberflächlich geführt hat. Manchmal ist es Zeit, weiterzuziehen und Dinge hinter sich zu lassen, die sich überlebt haben, so schmerzhaft und traurig das auch sein mag. Das Ende einer Freundschaft kann auch der Beginn einer neuen Lebensphase sein oder ganz einfach neue Türen öffnen.

 

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